Uhuru e.V. — Gemeinsam für Kinder in Kenia
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Straßenkinderprogramm

Mit dem Konzept: Mobile Jugendarbeit

Hintergrund

Das Stadtbild von Kisumu ist seit Jahren von Straßenkindern geprägt und ihre Zahl wächst stetig an. Es sind v.a. Jungs im Alter zwischen 8 – 25 Jahren, die auf der Straße leben und arbeiten, weil sie Waisenkinder sind, es zuhause nichtmehr aushalten oder weil sie von den Eltern auf die Straße geschickt werden, um zum Familieneinkommen beizutragen. Von der Gesellschaft verachtet und von den Familien verstoßen organisieren sie sich in Gruppen, um zu überleben und um sich gegen Gefahren zu schützen, die das Straßenleben mit sich bringt. Sie sehnen sich nach Geborgenheit, Liebe, Anerkennung, nach einer unbeschwerten Kindheit und nach einer Zukunftsperspektive. Der gängige progressive Umgang (vertreiben – wegsperren, in Gefängnisse oder Heime) missachtet die Würde und die Sehnsüchte der Straßenkinder. Auch so genannte „feeding programs“ (Essensausgaben/ Almosen) machen die Situation nicht besser, sondern sorgen dafür, dass immer mehr Kinder auf die Straße kommen. Es braucht ein klares, professionellen Konzept, damit sich die Situation und Zukunftsperspektive der Straßenkinder langfristig verbessert! Seit 2002 leisten Davies und sein Team professionelle Sozialarbeit für die Straßenkinder in Kisumu, die darauf basiert durch Street Work Kontakte zu den Straßenkindern aufzubauen und zu pflegen, ihre persönliche Situation und die Gesamtsituation zu verstehen und gemeinsam mit den Straßenkindern Angebote zu entwickeln, die deren Lebenssituation und Zukunftsperspektive verbessern. Durch diese Art der Arbeit aus Augenhöhe hat sich das Team eine große Akzeptanz bei den Straßenkindern erarbeiten können. 2006 haben wir durch eine wissenschaftliche Studie das Konzept unserer Wahl mit der „Mobilen Jugendarbeit“ gefunden und seit Oktober 2014 haben wir mit „Brot für die Welt“ einen starken Partner gefunden, um Mobile Jugendarbeit als erstes derartikes Modellprojekt auf dem afrikanischen Kontinent umzusetzen.

Was ist "Mobile Jugendarbeit"

Ein niederschwelliges Jugendberatungskonzept, das 1967 in Stuttgart-Freiberg entstand, um jugendliche Gruppen/ Gangs zu Konzept Mobile Jugendarbeiterreichen, die bestehende Angebote (z.B. offene Jugendarbeit oder stationäre Jugendhilfe) nicht annehmen konnten oder wollten. Zielgruppe sind ausgegrenzte oder von Ausgrenzung bedrohte Jugendliche wie „unsere“ Straßenkinder. Ein wichtiges Ziel besteht darin, eine Beziehung mit den Jugendlichen aufzubauen, die auf Vertrauen und Wertschätzung basiert. Durch Street Work (auf der Straße, in Parks, an den Treffpunkten, im Leben der Jugendlichen) wird der Kontakt hergestellt und mit den Methoden der Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit kann daraufhin effektiv das Ziel verfolgt, den Jugendlichen eine kurz-, mittel- und bestenfalls langfristige Perspektive für ihr Leben zu geben. Die Sozialraumanalyse hilft bei der strategischen und bedarfsgerechten Planung der Angebote und Schwerpunkte und das Qualitätsmanagement stellt eine regelmäßige Überprüfung und Entwicklung der Arbeit sicher. Die Arbeit bezieht sich auf das nähere Umfeld der Jugendlichen (Mikro System), die Hilfesysteme und Profession der Sozialarbeit (Meso System), sowie auf gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge (Makro System). Auf diesen Ebenen können mit den genannten Methoden für die Jugendlichen Chancen erkämpft werden: gesellschaftliche Akzeptanz und entsprechende Gesetzgebungen, schnelle und effiziente Unterstützung in Krisen oder bei der Umsetzung von z.B. beruflichen Zielen durch die Zusammenarbeit mit starken Partnern und in der Arbeit mit dem näheren Umfeld (Gruppe/Clique/Familie) kann zu verschiedenen Themen präventiv gearbeitet werden. Das aber nur als beispielhafte Erläuterung. Bei den grundsätzlichen Zielen stehen wie im Gesamtkonzept immer die Jugendlichen im Mittelpunkt:

  • Verbesserung der Lebensbedingungen
  • Mobile Jugendarbeit ist professionelle Friedensarbeit
  • Organisieren von Anerkennung und Respekt
  • Alternativen zu schädlichen/kriminellen Handlungsmustern aufzeigen und entwickeln
  • Umsetzung der UN Kinderrechtskonvention
  • Partner/ starke Netzwerke für die Jugendlichen finden und entwickeln
  • Inklusion und Solidarität stärken, auf politischer Ebene und im fachlichen Diskurs
  • Wissenschaftliche Begründung und Entwicklung der Arbeit mit der Zielgruppe

Besonders ist auch die Art und Weise, wie mit den Jugendlichen gearbeitet wird. Dazu dienen die Arbeitsprinzipien wie:

  • Ressourcenorientierung
  • Akzeptanz der Jugendlichen
  • Ganzheitlicher Ansatz
  • Niederschwelligkeit
  • Vertrauensschutz
  • Bedürfnisorientierung und Partizipation
  • Freiwilligkeit (das Recht die Angebote anzunehmen, oder abzulehnen)
  • Beziehungsarbeit (vertrauensvolle Beziehung zum Sozialarbeiter)

… um nur einige zu nennen.

Steckbrief unseres Modellprojektes für Mobile Jugendarbeit in Kisumu

Team: 4 kenianische Fachkräfte (Bachelor oder Diploma in Social Work)/ 3 weiblich und 1 männlich (+ 1 medizinische Fachkraft in der Mobilen Klinik)

Anlaufstelle: kleines Kontaktbüro am Kibuye Market

Projektstart: 1. Oktober 2014

Unterstützer: Brot für die Welt

Partner: Internationale Gesellschaft für Mobile Jugendarbeit (ISMO e.V.) & DHBW Sozialwesen in Stuttgart

Unsere Arbeit beinhaltet folgende Angebote
  • Regelmäßige Street Work Gänge im Tandem: Kontaktangebot dort, wo sich die Straßenkinder aufhalten
  • Gruppenangebote: Freizeitaktivitäten, positive Stärkung der Straßenkinder-Gruppen, Aufklärungs- und Präventionsangebote
  • Ausbildungsprogramm: 15 Jugendliche erlernen ein einer einjährigen Ausbildung einen handwerklichen oder technischen Beruf
  • Community Trainings: in den Herkunftsregionen werden Multiplikatoren in „Seminaren“ geschult zum Thema Kinderrechte und Situation der Straenkinder (Ziele: Straßenkarrieren verhindern, Stigmatisierung abbauen, Reintegration erleichtern)
  • Einzelfallhilfe: alle Themen des Kinders/Jugendlichen werden ernst genommen, Lösungen für Probleme erarbeitet (oft in Kooperation mit Partnern wie Schulen, NGOs, Kirchen, Gericht, Krankenhäusern, Jugendamt, Anwälten, Geschäftsleuten etc.)
  • Reintegration: die Rückkehr in die Familie ist häufig ein wichtiges Ziel und wenn diese nicht möglich ist kommt die Suche nach einer Pflegefamilie, einem Kinderheim oder einer eigenen Wohnung in betracht.
  • Netzwerkarbeit: Aufbau und Pflege eines Netzwerkes von Organisationen und Personen, um die Hilfemöglichkeiten für Straßenkinder auszubauen, sich fachlich auszutauschen und eine starke Lobby für die Straßenkinder zu organisieren
  • Arbeit mit Gangs (Friedensprozess)
  • Lobbyarbeit/ Advocacy
  • Fachdiskurs und Qualifizierung: bisher fanden in Kisumu zwei größere Qualifizierungsseminare zu Mobiler Jugendarbeit statt (für Sozialarbeiter und Multiplikatoren aus Kenia und Ostafrika), sowie zahlreiche Fachtage. Mitarbeiterschulungen finden regelmäßig statt.
  • C20 (Civil 20): Davies Okombo leitet eine interanationale Arbeitsgruppe, die Vorschläge zum Thema https://civil-20.org/our-focus/inequality-gender-and-social-security/ für den G20-Gipfel 2017 vorbereitet.

Die Hintergrundgeschichten der Straßenkinder sind oft dramatisch, das Leben auf der Straße voller Risiken und die Möglichkeiten zu helfen oft viel schwieriger (auch begrenzter) als in Deutschland. Die Prozesse der Einzelfallhilfe können sehr lange dauern, bis Vertrauen aufgebaut und durch psycho-soziale Beratung die Hintergrundgeschichte aufgearbeitet ist. Im Kontakt mit den Straßenkindern und Gruppen geht es ganz zentral auch darum die Risiken des Straßenlebens zu reduzieren: Mangelernährung, Gewalt, sexuelle Gewalt, Gesundheit, Konflikte mit der Polizei und dem Gesetz sind dabei zentrale Themen, denen durch Gespräche, Aufklärung und Projekte entgegengewirkt wird. Ein wichtiges Ziel dabei ist die Sensibilisierung der Straßenkinder für diese Risiken und v.a. auch die Sensibilisierung von Akteuren, die den Straßenkindern das Leben schwer machen. Vor allem in den Köpfen der Bevölkerung (Verachtung bis hin zu zahlreichen Fällen der Selbstjustiz sind nicht hinehmbar), der Politik, der Polizei und Justiz ist ein Umdenken notwendig.

 
mobile_jugendarbeit.txt · Zuletzt geändert: 25.05.2017 22:52 von Jonas Puhm
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